Seit 1991 besteht eine intensive Partnerschaft mit der 1. J.-Rainis-Vidusskola in Tukums/Lettland. Gegenseitige Besuche von Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern, Lehreraustausch und in jedem Schuljahr ein 10-wöchiger Besuch von zwei lettischen Austauschschülerinnen bzw. -schülern an unserer Schule sind die Schwerpunkte.
Bericht über den Austausch nach Lettland
Auch in diesem Jahr sind 15 Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs zu einem zehntägigen Austausch mit unserer langjährigen Partnerschule in Tukums, Lettland gereist. Auf dem Programm standen zahlreiche sportliche und kulturelle Aktivitäten, die gemeinsam mit den lettischen Gastgebern und Gastgeberinnen unternommen wurden. So konnten die Schüler u.a. bei einem Orientierungslauf durch den Wald feststellen, wie gut die Kommunikation mit ihren jeweiligen Austauschpartnern funktionierte.
Da wir in diesem Jahr in Erfahrung bringen wollten, welche Rolle die Deutschen in Lettland in Geschichte und Gegenwart spielten und spielen, besuchten wir zunächst das Okkupationsmuseum in Riga, in dem die leidvolle Geschichte Lettlands im 20. Jahrhundert dargestellt wird. Nach einer kurzen Phase der Selbständigkeit von 1918 bis 1940 wurde das Land im Juni 1940 von der Sowjetunion besetzt, da Lettland laut geheimem Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt zum sowjetischen gehörte. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Lettland von den Deutschen besetzt. Die meisten lettischen Juden – ca. 70.000 – wurden während der deutschen Besatzung ermordet. Nach Kriegsende marschierten erneut sowjetische Soldaten ein; bis zur Unabhängigkeit 1991 gehörte Lettland zur Sowjetunion. Die Leiden der lettischen Bevölkerung werden in dem Museum sehr anschaulich dargestellt bis hin zum Lagerleben der deportierten Letten in Sibirien.
Ein Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen Deutschen und Letten konnten wir an einem anderen Tag besichtigen. Ein deutscher Unternehmer hatte ein altes Herrenhaus auf dem Land gekauft, es liebevoll mit kostbaren Antiquitäten aus Lettland eingerichtet und ein Hotel eröffnet, das nun vorrangig von Letten besucht wird.
Wie auch in den vergangenen Jahren lebten unsere Schüler während ihres Aufenthalts in Gastfamilien und konnten so den lettischen Alltag miterleben, der sich in mancherlei Hinsicht von ihrem deutschen unterschied. Wie in vielen osteuropäischen Ländern, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine rasante Entwicklung durchleben, verstärkt sich in Lettland die Kluft zwischen Arm und Reich. Dieser Unterschied spiegelte sich auch in den Gastfamilien wider. Lange Arbeitszeiten – auch der Mütter -, oft mehr als ein Arbeitsplatz, um das nötige Geld zu verdienen, verändern das Familienleben erheblich. Dennoch zeigten alle Familien eine herzliche Gastfreundschaft. Für unsere Schüler war es sicher eine berei¬chernde Erfahrung, andere Lebensmodelle kennen zu lernen. Darüber hinaus waren sie oft zum ersten Mal auf sich allein gestellt und konnten ihre englischen Sprachkenntnisse in der Praxis ausprobieren, um in den Familien zu kommunizieren. Wir freuen uns auf den Gegenbesuch der lettischen Schülerinnen und Schüler im März in Scheeßel.