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Schulen ans Netz! – Und dann?

Diese Frage stellte sich auch an der Eichenschule, einem als Genossenschaft organisierten, staatlich anerkannten Gymnasium in freier Trägerschaft in Scheeßel (www.Eichenschule.de). Diese Organisationsform und eine größere finanzielle Selbstständigkeit ermöglichen es uns, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren und pädagogisch neue Wege zu gehen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte zusammen mit der Telekom 1996 die Initiative „Schulen ans Netz“ ins Leben gerufen. Ziel war es, das Lehren und Lernen mit den „Neuen Medien“ an den Schulen zu unterstützen und zu fördern. Dazu wurde den Schulen ein kostenloser Internetzugang zur Verfügung gestellt. Doch was nutzte uns ein PC mit Internetzugang für damals etwa 900 Schüler/innen? Durch Eigenmittel, Spenden von Firmen und dem Förderprogramm n-21 konnten in mehreren Phasen weitere Computerarbeitsplätze – zur Zeit etwa 75 – eingerichtet werden. Ferner war es möglich, jeden Klassenraum mit einer Netzwerkverbindung auszustatten. Damit ist in allen Klassen ein Zugang zu den zentralen Servern und zum Internet möglich. Mit Notebooks und Beamern können so auch in den Klassenräumen die „Neuen Medien“ eingesetzt werden. Doch alle Hardware macht erst Sinn, wenn sie auch eingesetzt wird. Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte sollten mit dem Umgang der Geräte und Programme sowie ihren Einsatzmöglichkeiten vertraut gemacht werden. Erfahrungen haben gezeigt, dass das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich ist und sich oft auf das „Durchklicken“ auf Internetseiten und auf die Nutzung von Computerspielen beschränkt. Die Verwendung des Computers als Arbeitsmittel sollte daher in den Vordergrund gerückt werden. Auf der Seite der Kolleginnen und Kollegen besteht ebenfalls großes Interesse am Einsatz der „Neuen Medien“ im Unterricht. Da die offiziellen Fortbildungskapazitäten sehr begrenzt sind, sollten auch sie verstärkt geschult werden.

An unserer Schule geschieht die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler im Bereich „Neue Medien“ zur Zeit in zwei Stufen: ITG-Unterricht (Informationstechnische Grundbildung) in den sechsten Klassen und durch die Einführung eines IT-Bausteins (Informationstechnologien) in den Wahlpflichtunterricht der neunten Klassen.

1. ITG-Unterricht

Alle Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen erhalten ein halbes Jahr lang ITG-Unterricht. Aufgrund der Klassengröße von ca. 30 Kindern werden in jeder Klasse zwei Gruppen gebildet, die abwechselnd im Computerraum Unterricht erhalten. Diese Einteilung reduziert zwar die Unterrichtszeit pro Kind um die Hälfte, doch die Doppelbesetzung an einem Gerät hat sich nicht bewährt und der Lernerfolg erscheint uns trotz des geringeren Zeitumfangs pro Kind höher. Durch die eigene praktische Erfahrung wird mehr als durch Zuschauen gelernt.

Zunächst erhalten die Schülerinnen und Schüler eine kurze Einführung in den Umgang mit Computern und Netzwerken. Im weiteren Verlauf werden unter dem Oberthema „Ich gründe eine Firma“ die Kinder mit den einzelnen Programmen und ihren Anwendungsmöglichkeiten vertraut gemacht. Nach einer Einführung in die Bedienung einer Textverarbeitung wird ein Formbrief an eine Behörde entworfen, um die Genehmigung für eine eigene Firmengründung zu erhalten. Für die Gestaltung eines Firmenschildes wird das Einfügen von Bildern und die Verwendung von WordArt und Textfeldern gelernt. Eine Produktübersicht verlangt das Einscannen und Zuschneiden von Bildern. Diese werden dann mit Hilfe einer Tabelle und den zugehörigen Texten angeordnet. Zur Erstellung von Rechnungen werden die Grundfertigkeiten im Umgang mit einer Tabellenkalkulation vermittelt und einfache Formeln eingesetzt. Diese Kenntnisse werden auch im Mathematikunterricht der siebten Klassen beim Einsatz eines grafikfähigen Taschenrechners mit einem Computer Algebra System – bei uns der Voyage 200 – Verwendung finden. Um die Banken für einen Kredit zu gewinnen, wird eine einfache Bildschirmpräsentation vorbereitet. Bei genügend Zeit werden neben einfachen Rechercheaufgaben im Internet, z. B. reale Preise der gewählten Produkte ermitteln, auch einfache Internetseiten erstellt.

2. Wahlpflichtunterricht

Die Einführung des Wahlpflichtbereichs vor einigen Jahren an der Eichenschule ermöglichte uns eine weitere Ausbildung im Umgang mit den „Neuen Medien“. In vielen Wahlpflichtkursen wird projektorientiert gearbeitet. Die behandelten Themen sind nur teilweise in Schulbüchern enthalten. Damit ist klar, dass hier ein großer Bedarf an selbstständiger Recherchearbeit und an einer angemessenen Darstellungsform der Ergebnisse besteht. So ist die Idee entstanden, einen IT-Baustein in eine der beiden Leisten der Wahlpflichtkurse zu integrieren. Damit wird sichergestellt, dass jede Schülerin und jeder Schüler des neunten Jahrgangs diesen IT-Baustein kennen lernt. Für etwa sechs Wochen begleitet eine Informatiklehrkraft den Kurs. Ausgehend von den Bedürfnissen und Themen des jeweiligen Kurses werden sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch der jeweiligen Lehrkraft grundlegende Fertigkeiten und spezielle Kenntnisse vermittelt, die für das jeweilige Kursthema hilfreich sind. Die unterschiedliche Schwerpunktsetzung führt dazu, dass die Schülerinnen und Schüler in anderen Kursen bzw. den Klassen ihre besonderen Kenntnisse an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler weitergeben können und damit zu Multiplikatoren werden. Nach einigen Durchläufen kann die Betreuung durch die begleitende Lehrkraft entfallen, da dann die Kolleginnen und Kollegen das notwendige Wissen in den Kursen selber weitergeben können.

Zu den grundlegenden Inhalten für alle Kurse gehört eine vertiefte Einführung in die aktuelle Netzwerkstruktur der Schule, da die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 im Gegensatz zu den Schülerinnen und Schülern in den unteren Klassen freien Zugang zu einigen Computerarbeitsplätzen und damit auch zum Internet haben. Der Umgang mit den Netzwerkdruckern, typische Fehlerquellen im Netzwerkbetrieb, angemessenes Verhalten im Internet und Information über die im Netzwerk protokollierten Daten gehören hierher. Ferner wird der Umgang mit Netzlaufwerken besprochen. Neben den privaten Homeverzeichnissen, auf die nur der jeweilige Benutzer Zugriff hat, gibt es Austauschverzeichnisse mit gruppenspezifischen Zugriffsrechten. Erst diese ermöglichen Gruppenarbeit.

Der nächste Abschnitt innerhalb dieses IT-Bausteins befasst sich mit Informationsbeschaffung im Internet. Das Problem ist nicht, Internetseiten zu einem Thema zu finden, sondern ergiebige und relevante Quellen schnell zu finden. Daher stehen Suchstrategien und das Bewerten von Internetseiten im Mittelpunkt. Eine mögliche Strategie kann darin bestehen, zunächst in Internetadressen (URLs) zentrale Suchbegriffe zu versuchen: www.<suchbegriff>.de (z. B. www.jugendschutz.de). Anschließend wird überlegt, wer etwas zu dem gewünschten Thema veröffentlicht haben könnte (z. B. www.greenpeace.org). Bevor man sich auf die Ergebnisse von Suchmaschinen verlässt, empfiehlt sich ein Blick in Kataloge (z. B. www.yahoo.de), da hier in der Regel die Inhalte schon überprüft wurden. Beim Umgang mit Suchmaschinen (z. B. www.google.de; www.alltheweb.com) wird die Verknüpfung von Suchbegriffen und die Suche nach Textphrasen zur Optimierung der Suche besprochen. Abschließend erhalten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, in einer Textverarbeitung eine eigene Linksammlung zu einem für den Kurs relevanten Thema anzulegen. Das Verbinden der Linklisten der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu einer gemeinsamen soll als Anregung für arbeitsteilige Gruppenrecherchen dienen. Neben dem Finden von Informationsquellen wird auch die Beurteilung der Informationen thematisiert. Das Beispiel einer Facharbeit aus dem 12. Jahrgang, bei der sich der Verfasser auf falsche Informationen aus dem Internet gestützt hatte, verdeutlicht die Notwendigkeit dieses Schrittes. So werden einige formale Kriterien bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit und des Verfassers genannt. Hinzu kommt die inhaltliche Überprüfung der angebotenen Informationen mit gesicherten Vorinformationen aus dem Unterricht und aus Fachbüchern. Damit wird auch einsichtig, dass Internetrecherche alleine, so beliebt sie bei Schülerinnen und Schülern auch ist, nicht ausreicht.

Für die Präsentation eines Projekts in Textform und für den anstehenden Bericht über das Betriebspraktikum in Klasse 9 an unserer Schule wird der Umgang mit längeren Texten und Bildern thematisiert. So sollen Texte durch die Verwendung von unterschiedlichen Absatzformaten gegliedert und übersichtlich gestaltet werden. Dies kann durch direkte Formatierung oder bei längeren Texten durch die Verwendung von Formatvorlagen erreicht werden. Die Verwendung von Formatvorlagen ermöglicht dann die Erstellung von automatischen Inhaltsverzeichnissen und erleichtert eine spätere Überarbeitung der Absatzformate. Ergänzend werden der Einsatz von Kopf- und Fußzeilen sowie von Tabulatoren behandelt.

Als letzter verbindlicher Teil wird eine Bildschirmpräsentation erstellt. Hier werden die Ergebnisse aus der Internetrecherche wieder aufgegriffen. In einem ca. 60-minütigen Durchgang werden die wesentlichen Schritte vorgestellt und von den Schülerinnen und Schülern nachvollzogen: Verwenden von Vorlagen, Auswahl von vorgegebenen Folienlayouts, Einfügen von Texten und Bildern, Foliensortierung und Folienübergänge sowie einfache Animationen für Text und Bilder. Anschließend wird von den Schülerinnen und Schülern eine Kurzpräsentation zu dem zu Beginn gewählten Thema vorbereitet und dann später im Wahlpflichtkurs präsentiert.

Neben diesen verpflichtenden Themen werden je nach Bedarf weitere Bereiche behandelt. So ging es in einem Politikkurs um die Bundestagswahl. Eine in der Schule durchgeführte Befragung wurde mit Hilfe einer Tabellenkalkulation ausgewertet und die Ergebnisse wurden in geeigneten Diagrammen dargestellt. Rechnen mit Formeln in einer Tabellenkalkulation und Diagramme standen in einem Physikkurs auf dem Wunschzettel. Grundfertigkeiten in der Bildbearbeitung – Retusche, Freistellen und Montage sowie einfache DTP-Kenntnisse – kamen in einem Kunstkurs hinzu. Für ein Projekt mit unserer Partnerschule in Tukums (Lettland) wurden Fertigkeiten im Umgang mit e-mail benötigt. Wenn es die Zeit zulässt, wird die Erstellung von einfachen Internetseiten behandelt bzw. vertieft. So können Ergebnisse aus den Projekten auch im Intranet der Schule oder ggf. auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden. Dieser Punkt soll in Zukunft auch verbindlich für die Kurse werden.

Im ersten Durchlauf wurde zu Beginn des Schuljahres eine Reihenfolge mit den Lehrkräften der Wahlpflichtkurse je nach Bedarf vereinbart und der IT-Baustein in einem Block von 6 - 7 Wochen durchgeführt. In einigen Kursen wurde es rückblickend als nachteilig empfunden, dass zwischen den einzelnen Themen zu wenig Zeit bestand, dass Gelernte anzuwenden. Aus diesem Grunde wurde im nächsten Durchlauf der IT-Baustein in zwei Teilen unterrichtet. Dadurch sollte Gelegenheit gegeben werden, die Ergebnisse einer Recherchephase gründlich zu bearbeiten und die Schülerinnen und Schüler erst dann mit den Möglichkeiten der Präsentation vertraut zu machen. Die Abfolge der betreuten Kurse wurde in diesem Fall kurzfristig festgelegt. Auch dieses Verfahren hat Nachteile, da es nicht immer möglich war, Terminwünsche umzusetzen und dadurch Arbeitsphasen zerrissen wurden.

Ausblick

Durch die Verkürzung der Schulzeit in Niedersachen auf 12 Schuljahre wird ab 2005 auf Grund der hohen Stundenzahl in den sechsten Klassen der ITG-Unterricht in dieser Jahrgangsstufe entfallen. Die Inhalte werden dann in Form eines IT-Baustein in den Wahlpflichtbereich der Klasse 7 und der IT-Baustein aus der jetzigen Klasse 9 in die Wahlpflichtkurse der achten Klasse verlegt werden. Damit reduziert sich der Kostenaufwand von bisher insgesamt 6 Deputatsstunden auf 4. Da sowohl von den Lehrkräften als auch von den Schülerinnen und Schülern und den Eltern der Schulgenossenschaft diese Konzeption der Fortbildung als sinnvoll betrachtet wird, erachten wir die durch die Doppelbesetzung in diesen Stunden nicht ganz unerheblichen Kosten dieses Konzepts als gerechtfertigt.

Achim Vollmer-Thies

erschienen in: Zeitschrift für Museum und Bildung, 2/2005

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 Zuletzt bearbeitet: 25.06.11