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Naturschutzprojekt Meerforellen: Schüler sind beeindruckt Ein Bericht von Dr. Heribert Wefers, NABU Rotenburg (Wümme) Es ist Freitag, 27. Februar, die 7. Stunde hat längst begonnen. Während die meisten Schüler sich längst gedanklich auf das Wochenende eingestellt haben, legen die Schüler des Wahlpflichtkurses Naturwissenschaften der Eichenschule Scheeßel selbst Hand an. Sie setzen hunderte kleiner Meerforellen in einem Bach aus, dem Postreithbach, der in die Ruschwede, einem Nebenfluss der Wümme, fließt. Mit Eimern und Keschern ausgestattet werden die kleinen, etwa 3 Zentimeter großen Jungfische in das Wasser gegeben. Sie werden von hier aus in die Nordsee schwimmen und zum Laichen wieder zurück kommen: Zu den Laichplätzen, an denen von den Angelvereinen Kies ausgebracht wurde. Den brauchen die Meerforellen zur Eiablage. Als ob er ungläubige Schüler davon überzeugen wolle, fängt Ralf Gerken vom Angelsportverein Lauenbrück an einer kiesigen Stelle der Ruschwede mit seinem Elektro-Kescher eine Meerforelle, die, wie er an der Größe von vielleicht 20 Zentimetern erkennt, ein Jahr alt ist. Ausgewachsene Tiere werden beachtliche 80 bis 130 cm groß. „Das ist nur für Naturschutzzwecke erlaubt“, sagt er zu den Schülern, die beeindruckt sind, wie problemlos mit dieser Ausrüstung die Fische gefangen werden. Der Strom betäube die Fische kurzzeitig, ohne ihnen jedoch zu schaden. Kurz vorher haben die 12 Schüler erfahren, dass die früher hier lebenden Meerforellen bereits seit 1925 in unserer Region ausgestorben waren. Das Ausräumen und Begradigen der Gewässer hatte zu einer Versandung der Fluss-Sohle geführt, auch die Wasserqualität reichte aufgrund zahlreicher Abwassereinleitungen nicht mehr aus. Meerforellen brauchen jedoch sauberes Wasser und zur Eiablage Kiesflächen, mit wasserdurchströmten Zwischenräumen. Seit 1982 arbeiten die Angelvereine Lauenbrück, Fintel und Westervesede an der Verbesserung der Gewässerqualität. Kiesflächen wurden angelegt, und seitdem die Anglervereine Meerforellenbrütlinge aus befruchteten Eiern züchten und aussetzen, gibt es diese Fische wieder hier. Mehrere Hundert Meerforellen wandern zur Fortpflanzungszeit flussaufwärts zu ihren „Geburtsorten“ zum Laichen. Noch muss die Vermehrung allerdings unterstützt werden. Für die Zucht werden zunächst erwachsene Fische gefangen, von den Weibchen vorsichtig die Eier (Rogen) abgestreift und mit dem Sperma (Milch) der Männchen befruchtet. Dies geschieht relativ unromantisch: In einem Eimer werden Eier und Samen gemischt. Die befruchteten Eier werden dann ständig mit frischem Wasser versorgt und in der Brutanlage entwickeln sich die kleinen Fische, bereits im Ei sind ihre schwarzen Augenpunkte erkennbar. Über 200.000 Stück können in einem Winter ausgebrütet werden. Naturschutz heißt also in diesem Fall, eine Art wieder anzusiedeln, haben die Schüler gelernt, und dafür intakte Lebensräume zu schaffen. „Das Wichtigste ist nicht, über Naturschutz zu reden, sondern die Natur zu verstehen“, sagt Dr. Heribert Wefers vom NABU Rotenburg, der die Schüler gemeinsam mit Hendrik Porthmann, Lehrer der Eichenschule begleitet. „Nur wer die Natur kennt, will sie auch schützen.“ Die Schüler, die an solchen Naturschutzprojekten teilgenommen haben, würden mehr vom Wert der Artenvielfalt, von der Bedeutung und Schönheit eines gesunden Gewässers mitnehmen, als nur durch die theoretische Beschäftigung mit diesem Thema. „Lebendige Bäche“ ist der Titel des Projektes, in dem Schüler regelmäßig an heimische Gewässer herangeführt werden, die Wasserqualität und die Lebewesen im Bach untersuchen, sich Gedanken darüber machen, was eine gute Gewässer- und Wasserqualität auszeichnet, und auch Kläranlagen, Wasserwerke und andere Einrichtungen besuchen, die mit dem Thema Gewässer zu tun haben - wie die Fischzuchtstation Lauenbrück. Es handelt sich um ein Modellprojekt, aus einer Initiative des NABU Rotenburg entstanden, gefördert durch die Niedersächsische Lottostiftung. Lernen heißt hier, eigene Erfahrungen machen, mit allen Sinnen dabei sein. Und an einem so erfolgreichen Naturschutzprojekt aktiv teilgenommen zu haben, ist auch für die sonst manchmal schon ziemlich coolen Schüler des 7. Jahrganges etwas Besonderes. Mehr Informationen über das Meerforellen-Projekt findet man im Internet: www.wuemme-meerforelle.de
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