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Lernen durch „Be-greifen“

 

Die Oberstufenkurse (Biologie) des 13. Jahrgangs führten im August eine Exkursion zur Bestimmung der Gewässergüte durch.


In den Prüfungsbereichen des Zentralabiturs im Unterrichtsfach Biologie wird für das 3. Halbjahr im Baustein „Naturschutz und Landschaftspflege“ die Bewertung von Fließgewässern und die damit verbundenen Verfahren zur Ermittlung der Gewässergüte aufgeführt. Für einen praxisnahen und erlebnisorientierten Unterricht bietet sich die Durchführung einer Exkursion zur Beeke an. Da für die Gewässergütebestimmung neben Keschern und Bestimmungsbüchern noch eine ganze Reihe weiterer Materialien benötigt wird, haben sich die beteiligten Lehrkräfte unterstützend eine externe Fachkraft zu Hilfe geholt. Die
Diplom-Biologin Anja Schulenberg bot uns einen geeigneten Lehrgang einschließlich aller Materialien an. Nachdem die Fachlehrer im Juni eine Vorexkursion unter Leitung einer Umweltpädagogin durchführten wurden die Termine für die 4 geplanten Feldforschungsaktionen festgelegt.

 

Die Schüler, die der geplanten Aktion vorerst etwas skeptisch entgegen sahen, entwickelten am Tag der Durchführung wahren Forscherdrang.
Das Unterrichtsmodul startete mit einem Grundlagenvortrag zum geplanten Vorhaben im Klassenraum. Anschließend ging es direkt zum Bachlauf der Beeke. Nachdem die Teilnehmer von der Kursleiterin in die Methodik des Kescherns eingeführt wurden, teilte sich der Kurs in Gruppen mit je 3 Personen entlang der Beeke auf und begann mit der Erforschung des Artenspektrums im Feuchtbiotop. Einige Schüler stiegen dabei barfuß in das kühle Nass und erlebten so eine zusätzliche
Sinneserfahrung. Neben vielen Bachflohkrebsen, Egeln, Muscheln und Schlammröhrenwürmern wurden die Larven von Eintagsfliegen, Stechmücken sowie Zuckmücken entdeckt. Die Kleinstlebewesen, die nicht gleich zugeordnet werden konnten, wurden gesondert gesammelt und später mit Hilfe geeigneter Literatur und den Binokularen bestimmt.

 

Nachdem die mannigfachen Arten bestimmt und gezählt waren, wurden sie in vorbereitete Tabellen erfasst. Das angewandte Bewertungsverfahren, das für die Erhebung der biologischen Gewässergüte entwickelt wurde, ist die Ermittlung des Saprobienindex und ist bundeseinheitlich in einer DIN-Norm festgelegt. Es ist das älteste und seit langem standardisierte Verfahren zur biologischen Gewässergütebewertung und Grundlage der Gewässergütekarten. Das Saprobiensystem ist eine Zusammenstellung von ausgewählten Tierarten und Mikroorganismen, über deren Vorkommen und Häufigkeit in einem Fließgewässer auf die Belastung mit organischen, biologisch leicht abbaubaren Stoffen geschlossen werden kann. Ein großer Vorteil gegenüber chemischen Analysen besteht darin, dass diese Bewertung nicht nur eine Momentaufnahme liefert, sondern in Abhängigkeit vom Lebenszyklus einer Art die jeweiligen Lebensbedingungen und damit die Wasserqualität über einen längeren Zeitraum dokumentiert.


Die erfassten Daten sind noch in freier Natur ausgewertet worden. Im Durchschnitt wurde die biologische Gewässergüte der Beeke mit 3 (mäßig) bewertet. Die Exkursion endete mit der Zurückführung der entnommenen Tiere und dem Abtransport der mitgeführten Materialien, sodass von uns eine „fast“ unberührte Natur zurückgelassen wurde.


Norbert Neupert (Kursleiter Bi41 und Bi42)

Zuletzt bearbeitet: 25.06.11

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