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Unterschiede des japanischen Schulsystems zum deutschen

Als ich in Japan angekommen bin, waren viele Sachen anders - darunter fallen eigentlich alle alltäglichen Dinge wie zum Beispiel die Sprache, das Essen, das Geld, die Menschen und natürlich auch das japanische Schulsystem.

Mein erster Schultag begann am 4. September 2006 in der Sano Nihon Junior- & Seniorhighschool um 8:50Uhr in Schuluniform (90% der japanischen Schulen besitzen die Schuluniform).

Im Allgemeinen sind japanische Schulen größer als deutsche - in meiner Schule in Japan lernten ungefähr 2500 Schüler, die von mehreren hundert Lehrern unterrichtet wurden.

Da aufgrund der geographischen Gegebenheiten (Japan ist sehr bergig) sehr oft Platzmangel herrscht - insbesondere auf der Hauptinsel Honshu, auf der mehr als 100 Millionen Menschen leben - stauen sich in den Klassen oft bis zu 50 Schüler. Meine eigene Klasse zählte stolze 45 Schüler und Schülerinnen.

Obwohl man nun an Chaos oder Unruhe im Unterricht denken könnte, sind die japanischen Schüler in der Beziehung wohl der Traum eines deutschen Lehrers...

Japanische Schulen gibt es auf privater und staatlicher Ebene - wobei es offiziell qualitativ nur minimale Unterschiede gibt, dieser Faktor aber von Schule zu Schule variiert.

Jeden Tag um 8:50Uhr gibt es einen 10-minütigen "Homeroom" vor dem eigentlichen Unterricht. Der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin tragen dort aktuelle Anliegen wie zum Beispiel Stundenausfall (ein eher seltener Fall), Sportereignisse an der Schule usw. vor.

Vor jeder Unterrichtsstunde müssen alle Schüler aufstehen und sich auf Kommando vor dem Lehrer verbeugen und "onegaishimasu" sagen (heißt frei übersetzt soviel wie "Bitte unterrichten Sie uns.") - nach dem Unterricht wird das Ganze mit "arigatou gozaimashita" (in etwa "Danke, dass Sie uns unterrichtet haben.") vollzogen.

Der japanische Unterricht ist normalerweise fünf Minuten länger als der deutsche, also 50 Minuten. Zwischen den Stunden gibt es jeweils 10 Minuten Pause.

Ein großer Unterschied: In Japan hat jeder Schüler, egal ob Junior Highschool (in Deutschland: 7.-9. Klasse) oder Senior Highschool (10.-12. Klasse) sechs feste Unterrichtsstunden am Tag - montags bis freitags.

Gegen 13:00Uhr gibt es eine 30-minütige Mittagspause, in der der mitgebrachte Lunch (Reis, Sushi, Fisch, Fleisch, etc.) gegessen wird.

Nach 6 Stunden Unterricht wird um 15:10Uhr der Klassenraum geputzt - ausnahmslos. Meines Wissens pflegen das alle japanischen Schulen zu machen. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Schüler nicht alles dreckig machen (denn sie müssen ja am Ende alles selber wegmachen) und zum anderen, dass die Reinigung durch Fachpersonal fast komplett entfällt.

Nach dem regulären Unterricht haben viele Schüler noch einen Sport-, Kunst- oder Musikclub - ich für meinen Teil habe jeden Tag von 15:30Uhr bis 19:30Uhr Baseball gespielt.

Was man nicht sehen, aber merken und erleben kann, ist der enorm große Respekt der Schüler vor Lehrern - es gibt keine Nörgeleien, Unruhen oder anderweitige Auseinandersetzungen.

Mir fiel schon am ersten Tag die Stumpfheit des Lernens in Japan auf.

Banal könnte man sagen: Vorne steht der Lehrer, erzählt etwas über Mathematik und schreibt Formeln an die Tafel - anstatt nun, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, die Schüler aktiv mitarbeiten zu lassen, wird die nächste Formel an die Tafel geschrieben. Soll heißen: Es gibt fast keine mündliche Beteiligung. Was zur Folge hat, dass viele Sachen nicht hinterfragt werden ("Warum ist das so? Wieso wurde das so gemacht? etc."), sondern stumpf auswendig gelernt werden und genauso stumpf wieder abgefragt werden.

In meinen Augen ist das oft mit der Gefahr verbunden, dass historische Themen wie z.B. der 2. Weltkrieg und seine Verbrechen verharmlost werden und gar nicht mehr so realisiert werden, wie sie eigentlich realisiert werden sollten. Doch das ist nicht nur im Schulsystem zu entdecken (auch in Politik, Firmen, etc.) - ein sehr interessanter Punkt in der japanischen Gesellschaft.

Alles in allem war es hochinteressant, das japanische Schulsystem kennenzulernen; es besitzt ein paar Dinge - wie z.B. das riesige Sportangebot oder das Putzen der Klassenräume usw., von denen man sich hier in Deutschland eine Scheibe abschneiden könnte - jedoch ist in meinen Augen kein Schulsystem perfekt, und so bin ich doch auch ganz froh, hier in Deutschland oft meine Hand zum Melden heben zu können, um Dinge zu hinterfragen.

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Zuletzt bearbeitet: 25.06.11

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